Wald und Klima

Mit Beginn der Industrialisierung begann der Mensch jedoch, durch sein Handeln auch das Klima in zunehmendem Maße zu verändern. Die Verbrennung fossiler Rohstoffe (Kohle, Erdöl, Erdgas) und landwirtschaftliche und forstwirtschaftliche Aktivitäten (Melioration von Ackerflächen, Waldrodung, Düngemitteleinsatz) führten seit Mitte des 18. Jahrhunderts zu einem Anstieg der Treibhausgaskonzentration insbesondere Kohlendioxid (CO2), Methan (CH4) und Lachgas (N2O) in der Atmosphäre. Die Folge davon ist eine Klimaerwärmung, die weit über die natürliche Erwärmung unserer Erde durch die Sonne und die natürlichen Prozesse in der Atmosphäre hinausgeht.

Seit es verlässliche Klimamessungen gibt, also seit mehr als 150 Jahren, können das globale Klima rekonstruiert und dessen Veränderungen nachgewiesen werden. Seit Beginn der Messungen waren die globalen Durchschnittstemperaturen der Erde noch nie so hoch wie in den Jahren ab 1990. In Deutschland stieg die Jahresmitteltemperatur in den vergangenen 100 Jahren um etwa 0,8 °C. Dieser Erwärmungstrend beschleunigte sich im Laufe der vergangenen Jahrzehnte deutlich und ist nun mit 0,15°C je Dekade auf fast das Doppelte gestiegen. Vor allem die Wintermonate wurden wärmer. Die Jahre 1990 bis 2000 waren das wärmste Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts.

Auch für Thüringen kann anhand von Messungen der Klimawandel eindeutig nachgewiesen werden. Beispielsweise hat sich die Vegetationsperiode seit 1962 deutlich verlängert. Waren es in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts noch ca. 220 Tage im Jahr, so hat sich die Dauer der Vegetationsperiode bis 2010 auf durchschnittlich 240 Tage erhöht. Die langen Messreihen der Thüringer Klimastationen zeigen für den Zeitraum der vergangenen 50 Jahre einen Anstieg der Jahresmitteltemperatur in ganz Thüringen, eine Niederschlagsabnahme während der gesamten Vegetationszeit, am stärksten von April bis Juni, sowie eine Niederschlagszunahme im Herbst und Winter.

Zur Abschätzung der Klimaentwicklung in den nächsten Jahrzehnten nutzt man ausgereifte Modelle, die die natürlichen Prozesse in der Atmosphäre, die Einflüsse von Sonne und Wolkenbildung und anderer wichtiger Faktoren anhand von unterschiedlichen Handlungsszenarien abbildet. Diese Szenarien unterscheiden sich hinsichtlich unseres Energieverbrauchs, der Art, wie wir zukünftig Energie erzeugen (fossile oder erneuerbare Energieträger) und anderer Faktoren, die Einfluss auf die Emission von Treibhausgasen haben (z.B. wirtschaftliche Entwicklung von Schwellenländern, Bevölkerungswachstum).

Alle Modelle zeigen für die kommenden Dekaden einen weiteren Temperaturanstieg für Deutschland. Abhängig von der Höhe des künftigen globalen Treibhausgas-Ausstoßes, ist eine Erhöhung der Jahresmitteltemperatur bis zum Jahr 2100, im Vergleich zum Zeitraum 1961 bis 1990, um 1,5 bis 3,7 °C zu erwarten. Sehr wahrscheinlich ist dabei eine Erwärmung um 2 bis 3 °C. Auch die schon nachgewiesenen Veränderungen beim Niederschlag werden sich weiter fortsetzen. Im Winter müssen wir mit mehr Niederschlag rechnen, wohingegen der Regen in der Vegetationszeit abnehmen wird. Gleichzeitig ist davon auszugehen, dass Witterungsextreme wie Stürme, Starkniederschläge oder Trockenheiten gehäuft auftreten. In Kombination mit klimawandelbedingten Verbesserungen der Lebensbedingungen für Organismen, wie insbesondere Insekten oder Pilze, steigen die Gefahren für Wälder sowohl durch abiotische als auch biotische Schadursachen.

(Quelle: SuK ThüringenForst 2012, veröffentlicht im Forstbericht 2012)