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| Mi 16.09.2009 |
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Gelbe Seiten 05/2009 - Verbandszeitschrift "Unser Wald" |
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Abriss zur Arbeit des SDW-Ortsverbandes Oberhof
"Ein Weg entsteht indem man ihn geht." Chuang-Tzu
Als sich 2006 der Ortsverband Oberhof als Untergliederung der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, Landesverband Thüringen e.V., gründete, gab es zahlreiche Gedanken und Ideen, die dem Ortsverband eine ungefähre Richtung zukünftigen Wirkens aufzeigten.
In einem dreijährigen Reifeprozess hat sich der Ortsverband Oberhof ein Arbeitsfeld geschaffen, das als Basis für die nächsten Jahre dienlich sein kann. Vieles macht stolz, aber nicht zufrieden. Denn Zufriedenheit bedeutet Stillstand und so wird noch auf einen vieljährigen Reifeprozess gehofft.
"Nichts kommt ohne Interesse zustande." Friedrich Hegel
In unserer heutigen Zeit kommt der Begleitung unserer Kinder und Jugendlichen in ihrer Entwicklung oft zuwenig Bedeutung zu, was sehr bedenklich ist. Der Ortsverband Oberhof versucht Kinder frühzeitig und langfristig mit der Natur und der Umwelt vertraut zu machen. Die Kinder des Kindergartens "Spatzennest" gehen zweimal pro Woche zum spielenden Lernen in den Wald. Dabei bemühen sich die Mitglieder des Ortsverbandes derzeit um den Bau einer regensicheren Unterkunft für die Kinder im Wald. Im Winter werden die Kinder mit Pferdekutschen an eine Wildfütterung gebracht, damit die gesammelten Kastanien verteilt werden können. Als weitere Projekte sind der Bau eines Weidenwigwams, ein Besuch beim Hufschmied oder die Wunschzettelabgabe am hoffentlich tief verschneiten "Weihnachtsmannhaus" im Wald vorgesehen. Die Begeisterung unserer Kleinsten ist der größte Lohn für die geleistete Arbeit.
Auch die gemeinsamen Projekte mit der Grundschule Oberhof zeigen bereits erste Früchte. Waldführungen, die Gestaltung des Waldlehrpfades Oberhof, die Pilzwanderung und die jährliche Fahrt ins Sägewerk Wagner sind fester Bestandteil des Lehrplans geworden.
Das Wichtigste ist aber vor Allem das geweckte Interesse der Kinder an der Natur.
"Suche immer zu nützen! Suche nie, dich unentbehrlich zu machen." Marie von Ebner-Eschenbach
Das wohl bekannteste, durch den Ortsverband Oberhof ins Leben gerufene Projekt, ist die Erhaltung einer alten Standortrasse, der "Schlossbergfichte". Die durch Stecklingsvermehrung und Pfropfung anzuziehenden direkten Nachkommen sollen diese seltene genetische Rarität erhalten. Mit der Bewahrung der genetischen Vielfalt innerhalb einer Art ist dies somit ein Baustein in der Biodiversitätskampagne.
Wichtig erscheint hier aber auch die Zusammenarbeit mit verschiedensten Interessenträgern überhaupt, woraus irgendwann Selbstverständlichkeit wird. So arbeiten wir eng mit dem Thüringer Ministerium für Landwirtschaft, Naturschutz und Umwelt, der Thüringer Landesanstalt für Wald, Jagd und Fischerei, dem Forstamt Oberhof, der Stadt Oberhof, der Rennsteiggarten Oberhof g GmbH, der Städtischen Wohnungsbaugesellschaft Oberhof mbH, der Kurverwaltung Oberhof und den verschiedensten Gremien des Breiten- und Leistungssports zusammen.
Neben der Wartung und Erweiterung des Waldlehrpfades wird momentan ein Naturerlebnispfad geplant. Ebenso weitere Projekte, wie beispielsweise die Pflanzung einer Ahornallee entlang des Rennsteiges noch in diesem Jahr. Diese Vorhaben mit immer neuen Ideen und einer entsprechenden Portion Öffentlichkeitsarbeit sollen stetig weiter voranbringen, denn:
"Den Willigen führt das Geschick, den Störrischen zieht es mit." Seneca
Thüringer Kultusminister Müller und der Vorstand der SDW Thüringen ehren Sieger bei den Wald-Jugendspielen des Forstamtes Leinefelde
Kinder brauchen Natur und Wald als Erfahrungsräume, wenn sie diese schätzen und schützen lernen sollen. Wenn wir sie hierfür sensibilisieren wollen, muss ihnen die Natur zum Erleben, Beobachten, Anfassen und Gestalten geboten werden. In Zeiten des immer größer werdenden Medienkonsums ist es wichtig, dass die Schüler und Schülerinnen wieder eine direkte Verbindung zu Wald und Natur finden.
Bei den Wald-Jugendspielen können sich die Schüler der Thüringer Regel- und Grundschulen, Gymnasien, Förderzentren nicht nur im sportlichen Wettkampf miteinander messen, sondern vor allen Dingen ihr in der Schule erlerntes Wissen über die Natur am lebenden Beispiel "Wald" unter Beweis stellen. Auf einem ca. 3 km langen Wissens- und Sportparcours haben die Kinder die Möglichkeit sich dem Wald und der Natur spielerisch zu nähern. Neben der Baum- und Pflanzenbestimmung, Fragen zur Ökologie des Waldes können die Kinder Wissenswertes über die Jagd erfahren und lernen die Arbeitswerkzeuge des Waldarbeiters kennen. Mit vielfältigen Aufgaben wird so das Ökosystem Wald erlebbar. Als praxisnaher Unterricht in der Natur tragen die Wald-Jugendspiele dazu bei, dass sich die Schüler und Schülerinnen aktiv mit ihrer Umwelt und dem Wald auseinandersetzen.
Um von dieser Art des "Lernens am anderen Ort" ein persönliches Bild zu bekommen besuchte der Thüringer Kultusminister Herr Bernward Müller gemeinsam mit Herrn Bernd Becker, Geschäftsführender Vorstand der SDW Thüringen, die Wald-Jugendspiele an der Burg Scharfenstein im Revier des Forstamtes Leinefelde am 26. August 2009 um zusammen mit dem Forstamtsleiter des Thüringer Forstamtes Leinefelde, Herrn Elger Kohlstedt, bei der Siegerehrung den teilnehmenden Klassen zu gratulieren und die Urkunden zu überreichen.
Seit 1993 finden jährlich die Wald-Jugendspiele in den Revieren der 28 Thüringer Forstämter statt. An dieser Veranstaltung haben seit 1993 mittlerweile rund 92.000 Kinder teilgenommen, allein 2008 waren es 9.328 Schüler.
Waldbiotopverbesserung für den Feuersalamander

Zu Beginn des Jahres 2009 erhielt der Bezirksverband Suhl der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, Landesverband Thüringen e. V., eine Anfrage der Unteren Naturschutzbehörde der Stadt Suhl über die Möglichkeit die Trägerschaft für ein Naturschutzprojekt zu übernehmen.
Das Projekt umfasst dabei die Renaturierung von Waldfließgewässern, am Beispiel der Leitart Feuersalamander. Da es sich bei den Projektorten um Waldbiotope handelt, war eine Zusage relativ leicht.
Im Vorhaben sollen etwa acht Kilometer schmale Waldfließgewässer im "Rimbach" (Stadt Suhl), in der "Finsteren Erle" und im Bachlauf des "Bansgrethengrundes" (Landkreis Hildburghausen) renaturiert werden.
Folgende Maßnahmen wurden bereits teilweise realisiert und sind hierfür vorgesehen:
1. Zurücknahme der Fichtenbestockung und Förderung der standortgerechten Laubbaumarten
2. Einbringung von Starktotholz in die Fließgewässer.
3. Austausch engdimensionierter Wegedurchlässe durch größere Durchlässe.
Die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald kooperiert bei der Projektumsetzung mit den Naturschutzbehörden der Stadt Suhl und des Landkreises Hildburghausen, den Thüringer Forstämtern Oberhof und Schönbrunn, dem Biosphärenreservat "Vessertal", der Thüringer Fernwasserversorgung und dem Familienzentrum "Die Insel" in Suhl. Die Naturstiftung "David", die Stiftung des BUND Thüringen, stellt dabei die finanziellen Mittel für die Durchführung dieses Projektes bereit.
Als Leitart der Bachlebensgemeinschaft wurde die Larve des Feuersalamanders herangezogen, die auch limnologisch als Leitart des ersten und noch schmalen, quellnahen Bachabschnittes gilt. Dementsprechend verfolgt die vorliegende Teiluntersuchung folgende Ziele:
1. Erfassung der Geburts- und Aufenthaltsorte des Feuersalamanders in den drei Bachläufen.
2. Ermittlung der wichtigsten Aufenthaltsorte der Adultvorkommen.
3. Ableitung eines Konzeptes für jeden Bach bei der Einbringung von Starktotholz zur Förderung der Strukturvielfalt im Fließgewässer und
4. waldbaulicher Maßnahmen für die wichtigsten Teillebensräume der Art .
Die Renaturierung des Baches im Bansgrethengrund konnte bereits im März dieses Jahres fertig gestellt werden.
Dieser Bachabschnitt wurde am 10.Juli 2009 im Rahmen eines Pressetermins, im Beisein der SDW Vorstandsmitglieder Herr Bernd Becker und Herr Michael Willman vorgestellt.
Herr Dr. Dierk Conrady, Mitarbeiter der Naturstiftung David, stellte hier bereits erste Erfolge vor. In Stillwasserbereichen, die durch die Einbringung von Totholz geschaffen wurden, konnten schon ca. drei cm große, schwarze Larven des Feuersalamanders gesichtet werden. Stillwasserbereiche sind für die Larven des Feuersalamanders überlebenswichtig um nicht weggespült zu werden, beispielsweise in Bachabschnitte, in denen die Forelle vorkommt. Für die Forelle sind die Larven wahre Leckerbissen.
Der ausgewachsene Feuersalamander, der schwarz-gelbe "Wolf" des Quellbachs, hat dagegen keine natürlichen Feinde. Nur den Menschen. Doch die Larven benötigen besonderen Schutz.
Seit der Renaturierung des Bachlaufs des Bansgrethengrundes wird das Vorkommen von Feuersalamanderlarven auf etwa 120 bis 150 Larven geschätzt, adulte Tiere dagegen auf 40 bis 50.
In vier Jahren - der Feuersalamander braucht so lange bis zur Geschlechtsreife- wird damit gerechnet, dass die Anzahl der erwachsenen Tiere um die Hälfte gestiegen ist.
Der Anfang für das Projekt ist getan und weitere fast acht Kilometer Bachläufe werden in diesem Jahr noch renaturiert.
Unter den einheimischen Amphibien ist der Feuersalamander die Art mit der engsten Bindung an den Lebensraum Wald. Gerade deshalb möchte die SDW mit diesem Projekt einen aktiven Beitrag zur Erhaltung der Artenvielfalt in unseren Wäldern leisten.
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